Ist Augenlasern schmerzhaft?

Die Vorstellung, am wachen Auge operiert zu werden, löst bei den meisten Menschen ein instinktives Unbehagen aus. Und doch entscheiden sich jährlich Hunderttausende Menschen in Europa dazu, ihre Fehlsichtigkeit per Laserbehandlung korrigieren zu lassen. Die Frage, die dabei fast jeden Betroffenen beschäftigt, lautet: Tut das weh? Die Antwort ist differenzierter, als ein einfaches Ja oder Nein vermuten lässt. Sie hängt vom gewählten Verfahren, dem individuellen Schmerzempfinden und vor allem davon ab, was man unter „Schmerz“ versteht.

Vorbereitung und Betäubung

Wer zum ersten Mal vom Augenlasern hört, denkt vielleicht unwillkürlich an Spritzen oder gar eine Vollnarkose. Beides ist jedoch nicht notwendig. Die Betäubung des Auges erfolgt über spezielle Augentropfen, die einen Wirkstoff aus der Gruppe der Lokalanästhetika enthalten. Innerhalb weniger Minuten tritt die Wirkung ein und das Auge wird vollständig unempfindlich gegenüber Schmerzreizen, während der Patient weiterhin sehen, sprechen und sich bewusst durch den Eingriff begleiten lassen kann. Was viele als beruhigend empfinden: Man ist wach und hat die Situation unter Kontrolle. Gleichzeitig sind viele Patienten überrascht, wie wenig sie in dieser Phase spüren. Das Einträufeln der Betäubungstropfen selbst erzeugt allenfalls ein leichtes Kribbeln oder ein kurzes Brennen, das rasch nachlässt. Sobald die Anästhesie wirkt, ist das Auge bereit für den Eingriff.

Auge lasern

Während des Eingriffs

Der Eingriff selbst dauert je nach Methode und individuellen Gegebenheiten in der Regel nur zwischen 15 und 30 Minuten für beide Augen. Innerhalb dieser Zeit läuft eine präzise choreografierte Abfolge von Schritten ab, von denen der eigentliche Laserpuls oft nur wenige Sekunden in Anspruch nimmt.

Bei der LASIK-Methode, dem weltweit am häufigsten durchgeführten Verfahren, wird zunächst ein hauchdünner Hornhautlappen (sogenannter Flap) angehoben, bevor der Laser das darunter liegende Gewebe in Form bringt. Das Anheben dieses Lappens erfolgt mit einem Mikrokeratom oder einem Femtosekundenlaser. Genau in diesem Moment berichten viele Patienten von einem nicht schmerzhaften Druckgefühl, vergleichbar mit dem Gefühl, wenn man mit einem Finger leicht auf das geschlossene Auge drückt. Das Sehen wird für einige Sekunden unscharf oder schwarz, was technisch bedingt und völlig normal ist. Kurz darauf nimmt man dann die typische Lichterscheinung des Lasers wahr, meist beschrieben als ein grünes oder rotes Blitzen. Bei LASEK und PRK, also den oberflächlichen Methoden, die ohne Flap-Bildung auskommen, verläuft der Eingriff ähnlich, jedoch ohne das Druckgefühl durch den Schnittvorgang. Dafür wird hier die oberste Zellschicht der Hornhaut (das Epithel) abgetragen oder zur Seite geschoben, was unter der Betäubung ebenfalls schmerzfrei ist.

In beiden Fällen sind Schmerzen während des eigentlichen Lasereingriffs dank der Betäubung praktisch ausgeschlossen. Was Patienten erleben, ist eher eine Kombination aus Druckempfinden, Wahrnehmung von Licht und Geräuschen sowie einer gewissen inneren Anspannung, jedoch kein Schmerz im klassischen Sinne.

Direkt nach dem Eingriff

Sobald die Betäubungstropfen ihre Wirkung verlieren, was typischerweise 30 bis 60 Minuten nach dem Eingriff beginnt, setzt das ein, was viele Patienten als die unangenehmste Phase beschreiben. Die Augen beginnen zu tränen, ein brennendes oder kratzendes Gefühl stellt sich ein, und Lichtempfindlichkeit kann stark ausgeprägt sein. Manchen Patienten fällt es schwer, die Augen offen zu halten. Wie intensiv diese Beschwerden ausfallen, hängt maßgeblich von der gewählten Methode ab. Nach einer LASIK-Behandlung berichten die meisten Patienten, dass diese Phase nach wenigen Stunden deutlich nachlässt. Viele beschreiben, dass sie nach einem ausgiebigen Schlaf am Abend des Eingriffs am nächsten Morgen bereits kaum noch Beschwerden verspüren. Der Heilungsverlauf ist bei LASIK deutlich schneller als bei den oberflächlichen Verfahren, da der Hornhautlappen wieder angelegt wird und als natürlicher Verband fungiert. Nach LASEK oder PRK hingegen ist die Heilungsphase länger und die Beschwerden in den ersten Tagen ausgeprägter. Um den Heilungsprozess zu unterstützen und Beschwerden zu lindern, erhalten Patienten in der Regel mehrere Arten von Augentropfen: antibiotische Tropfen zur Infektionsprophylaxe, entzündungshemmende Präparate sowie Benetzungstropfen gegen trockene Augen. Ergänzend wird eine Schutzbrille verordnet, die das Auge vor mechanischen Einwirkungen schützt.

Heilungsprozess und Nachsorge

Die Heilungsphase nach dem Augenlasern verläuft individuell sehr unterschiedlich und hängt stark von der angewandten Methode ab. Bei LASIK gilt als Faustregel, dass die meisten Patienten bereits nach 24 bis 48 Stunden im Wesentlichen beschwerdefrei sind. Das Sehvermögen ist häufig schon am nächsten Tag deutlich verbessert, wenn auch eine vollständige Stabilisierung einige Wochen in Anspruch nehmen kann. Anders verhält es sich bei LASEK und PRK. Da hier die oberste Hornhautschicht neu gebildet werden muss, dauert der Heilungsprozess mehrere Tage bis zu einer Woche, bevor die akuten Beschwerden merklich abklingen. In dieser Zeit können Patienten ein anhaltendes Kratzen oder Brennen erleben, das an das Gefühl eines Fremdkörpers im Auge erinnert. Das Sehen bleibt in dieser Phase oft verschwommen oder flimmert, was für viele psychisch belastend sein kann, obwohl es ein völlig normaler Teil des Heilungsprozesses ist.

Um diese Phase so angenehm wie möglich zu gestalten, empfehlen Augenärzte regelmäßige Anwendung der verordneten Pflegetropfen, ausreichend Ruhe, das Meiden von direktem Sonnenlicht sowie den Verzicht auf Bildschirmarbeit in den ersten Tagen. Bei stärkeren Beschwerden können auch leichte Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol eingesetzt werden. Besonders häufig klagen Patienten in den ersten Wochen nach dem Eingriff über trockene Augen, ein bekanntes Phänomen, das auf die vorübergehende Beeinträchtigung der Hornhautnerven zurückzuführen ist und sich im Verlauf der Heilung normalisiert.

Risiken und Komplikationen

Obwohl Augenlasereingriffe zu den sichersten operativen Verfahren weltweit zählen, sind Komplikationen nicht vollständig ausgeschlossen. Es ist daher wichtig, dass Patienten wissen, wann Schmerzen oder ungewöhnliche Symptome ein Zeichen sein können, dass etwas nicht stimmt.

Ein leichtes Stechen, Brennen oder Tränen in den ersten Tagen nach dem Eingriff ist normal. Starke, anhaltende Schmerzen, die sich trotz verordneter Augentropfen nicht bessern, sollten hingegen unmittelbar dem behandelnden Arzt gemeldet werden. Ebenso sind Rötungen, eitrige Absonderungen oder eine plötzliche Verschlechterung des Sehvermögens potenzielle Hinweise auf eine Infektion oder andere Komplikation, die sofortige medizinische Aufmerksamkeit erfordert.

Zu den bekannten Risiken und Nebenwirkungen des Augenlaserns zählen unter anderem trockene Augen (häufig), Halos oder Blendempfindlichkeit bei Nacht, eine Über- oder Unterkorrektur der Fehlsichtigkeit sowie in seltenen Fällen eine Trübung der Hornhaut (Haze), die vor allem bei PRK auftreten kann. Diese Risiken lassen sich durch eine sorgfältige präoperative Eignungsuntersuchung und die Wahl einer erfahrenen Klinik deutlich minimieren. Die regelmäßige Teilnahme an den Nachsorgeuntersuchungen, in der Regel nach einem Tag, einer Woche, einem Monat und drei Monaten, ist dabei kein optionaler Bonus, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung.

Patientenerfahrungen und die psychologische Komponente

Wer Berichte von Menschen liest, die sich einem Augenlasereingriff unterzogen haben, stellt fest, dass die Beschreibungen in eine auffällig ähnliche Richtung gehen: Die Erwartungsangst war größer als das tatsächliche Erlebnis. Sehr viele Patienten berichten, dass sie sich im Vorfeld wochenlang Sorgen gemacht haben, während der Eingriff selbst schneller und angenehmer verlief, als befürchtet. Das ist kein Zufall. Die Angst vor Schmerzen beim Augenlasern speist sich oft aus der Vorstellungskraft und weniger aus dem, was tatsächlich passiert. Der menschliche Instinkt, Augen zu schützen, ist tief verankert, und allein schon die Ankündigung „Ich halte jetzt Ihr Auge offen“ kann bei vielen Menschen Stress auslösen. Kliniken begegnen diesem Phänomen durch ausführliche Aufklärungsgespräche im Vorfeld, ruhige und vertrauensvolle Kommunikation während des Eingriffs und in manchen Fällen die Möglichkeit, ein leichtes Beruhigungsmittel einzunehmen.

Die Rolle des behandelnden Arztes und des gesamten Teams kann in diesem Zusammenhang kaum überschätzt werden. Patienten, die sich gut informiert und begleitet fühlen, berichten nicht nur über eine angenehmere Erfahrung, sondern erholen sich oft auch schneller. Das Gefühl, die Kontrolle zu behalten und genau zu wissen, was als nächstes passiert, ist ein wichtiger psychologischer Puffer gegenüber dem Stresserlebnis.