Kann man mit 50 noch Augen lasern?

Wer sein ganzes Leben eine Brille getragen oder sich mit Kontaktlinsen herumgeplagt hat, fragt sich zum fünfzigsten Geburtstag vielleicht: Ist es jetzt noch sinnvoll, die Augen lasern zu lassen? Oder ist dafür schlicht die Zeit abgelaufen?

Die Frage ist berechtigt, und sie beschäftigt immer mehr Menschen. Die Generation der Babyboomer ist längst im mittleren bis höheren Erwachsenenalter angekommen, und der Wunsch nach einem Leben ohne Sehhilfen bleibt bestehen. Oft sogar stärker als je zuvor, weil man sich endlich die Zeit und das Geld dafür nehmen kann oder möchte. Eine Laserkorrektur ist grundsätzlich auch mit 50 noch möglich, es kommt aber auf die individuellen Voraussetzungen an. Wer versteht, wie das Auge altert und welche Grenzen die moderne Lasertechnik hat, kann eine gut informierte Entscheidung treffen.

Grundlagen der Augenlaserung

Um zu verstehen, was mit 50 möglich ist und was nicht, lohnt sich zunächst ein kurzer Blick auf das, was Augenlaserung eigentlich bedeutet. Bei allen gängigen Verfahren geht es darum, die Form der Hornhaut so zu verändern, dass Lichtstrahlen optimal auf die Netzhaut gebündelt werden. Fehlsichtigkeiten entstehen nämlich in der Regel nicht durch ein Problem mit der Netzhaut selbst, sondern dadurch, dass die Hornhaut zu steil, zu flach oder unregelmäßig geformt ist. Der Laser trägt gezielt winzige Mengen Hornhautgewebe ab und korrigiert so die Krümmung.

Die bekannteste Methode ist LASIK, bei der zunächst ein dünner Hornhautlappen (Flap) erzeugt wird, den Laser darunter arbeiten lässt und den Lappen anschließend wieder zurücklegt. Das Verfahren heilt schnell und ist weitgehend schmerzfrei. LASEK und PRK sind ältere, verwandte Techniken, bei denen das oberflächliche Hornhautepithel anders behandelt wird. Sie kommen infrage, wenn die Hornhaut zu dünn für einen Flap ist, haben aber eine etwas längere Heilungszeit. Das modernste Verfahren, SMILE, arbeitet vollständig ohne Flap. Ein Femtosekundenlaser erzeugt eine linsenartige Scheibe im Inneren der Hornhaut, die anschließend durch einen kleinen Schnitt entfernt wird. SMILE gilt als besonders gewebeschonend und hat sich in den letzten Jahren zunehmend etabliert. Allen Methoden gemeinsam ist, dass sie Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmung innerhalb bestimmter Grenzen korrigieren können. Sehr hohe Fehlsichtigkeiten lassen sich oft nicht vollständig oder gar nicht lasern, weil die Hornhaut sonst zu dünn würde. Und ein entscheidender Punkt, auf den wir noch ausführlich eingehen: Keines dieser Verfahren kann die altersbedingte Weitsichtigkeit behandeln, die nahezu alle Menschen ab Mitte 40 betrifft.

Auge

Das Auge mit 50

Ab etwa dem 40. Lebensjahr beginnt beim menschlichen Auge ein Prozess, den die Medizin Presbyopie nennt. Er ist unvermeidlich, betrifft praktisch jeden und ist das zentrale Thema, wenn man mit 50 über Augenlasern nachdenkt. Das menschliche Auge kann in der Jugend mühelos zwischen nah und fern umschalten, weil die Augenlinse noch elastisch und verformbar ist. Schaut man auf etwas Nahes, zieht sich ein kleiner Muskel namens Ziliarmuskel zusammen, die Linse wölbt sich stärker und bündelt das Licht anders. Mit zunehmendem Alter verliert die Linse diese Elastizität, weil sie sich ständig verdickt und verhärtet. Der Ziliarmuskel ist noch vorhanden und funktioniert, aber er hat keinen nennenswerten Einfluss mehr auf die steife Linse. Dadurch wird Nahes unscharf. Die meisten Menschen bemerken es zuerst beim Lesen, wenn der Text immer weiter von der Nase weggeschoben werden muss, um noch scharf zu sein.

Mit 50 ist dieser Prozess in der Regel weit fortgeschritten. Die Augenlinse ist zu diesem Zeitpunkt deutlich weniger flexibel als mit 30, und das ist medizinisch nicht durch Hornhautlaser reparierbar, denn diese können die Linse nicht direkt beeinflussen. Dazu kommt häufig, dass auch die Produktion der Tränenflüssigkeit nachlässt, was zu trockenen Augen führt. Trockene Augen sind nicht nur unangenehm, sondern auch ein relevanter Faktor bei der Beurteilung, ob eine Laserkorrektur durchgeführt werden kann, denn das Verfahren kann die Trockenheit vorübergehend verstärken. Schließlich nimmt mit dem Alter auch die Dichte des Hornhautgewebes ab, was der operierende Augenarzt bei der Voruntersuchung gründlich beurteilen muss.

Eignung ab 50

Die entscheidende Frage lautet also: Unter welchen Umständen ist eine Laserkorrektur mit 50 noch sinnvoll? Die Antwort ist differenzierter, als viele vermuten.

Wer mit 50 noch kurzsichtig ist, hat in gewisser Hinsicht sogar einen kleinen Vorteil gegenüber altersweitsichtigen Altersgenossen. Kurzsichtige Menschen sehen in der Nähe ohne Brille gut – die Alterssichtigkeit, die das Nahsehen beeinträchtigt, gleicht die bestehende Kurzsichtigkeit also zumindest teilweise aus. Wird die Kurzsichtigkeit weggelasert, sieht man zwar in der Ferne deutlich besser, aber das natürliche Gleichgewicht verschwindet. Für das Lesen wird dann eine Lesebrille benötigt, die man zuvor nicht brauchte. Das ist kein Fehler des Eingriffs, es ist schlicht die altersbedingte Realität. Wer hingegen altersweitsichtig ist und bisher noch keine Fernbrille benötigte, kann durch die Laserkorrektur die Fehlsichtigkeit für die Ferne beheben lassen. Auch das ist grundsätzlich möglich, sofern die Hornhaut gesund und dick genug ist und die Sehwerte stabil sind. Das heißt, dass sich die Fehlsichtigkeit in den letzten ein bis zwei Jahren nicht oder kaum verändert hat.

Die Laserkorrektur stößt jedoch dort an ihre Grenzen, wo Erkrankungen des Auges vorliegen. Grauer Star ist ein häufiges Ausschlusskriterium, weil der Laser die Hornhaut zwar korrigieren kann, aber nicht das Linseninnere. Auch ein Glaukom (grüner Star), bestimmte Hornhauterkrankungen wie Keratokonus oder eine zu geringe Hornhautdicke machen den Eingriff unmöglich oder gefährlich. Diese Faktoren werden in einer umfangreichen Voruntersuchung abgeklärt. Ein Sonderfall, der gerade für Menschen ab 50 relevant ist, ist die sogenannte Monovision. Dabei wird ein Auge gezielt auf Fernsicht korrigiert, das andere leicht auf Nahsicht belassen oder so eingestellt. Das Gehirn lernt mit der Zeit, beide Informationen sinnvoll zu kombinieren. Man kann dadurch sowohl in die Ferne als auch in die Nähe ohne Brille sehen. Monovision ist kein perfektes Konzept und nicht für jeden geeignet, da räumliches Sehen und Kontrastsehen leicht beeinträchtigt sein können. Viele Augenärzte empfehlen deshalb, die Methode vorab mit Kontaktlinsen zu testen, bevor man sich für den Laser entscheidet.

Alternativen zur Laserbehandlung ab 50

Weil die Laserkorrektur die Alterssichtigkeit nicht direkt behandeln kann, gibt es für Menschen ab 50 häufig bessere oder zumindest ergänzende Optionen. Vor allem dann, wenn auch eine beginnende Linsentrübung vorliegt.

Eine davon ist die Implantation von Multifokal-Intraokularlinsen, kurz MIOLs. Dabei wird die natürliche Augenlinse durch eine künstliche Linse ersetzt, die sowohl Nah- als auch Fernsicht ermöglicht. Der Eingriff ist aufwendiger als Lasern, hat aber den Vorteil, gleich mehrere Probleme auf einmal zu lösen. Dazu zählen Fehlsichtigkeit, Alterssichtigkeit und, falls vorhanden, frühere Stadien des grauen Stars. Der Nachteil besteht darin, dass manche Patienten nach der Operation Lichthöfe oder Blendungseffekte wahrnehmen, besonders nachts.

Eng verwandt ist der refraktive Linsenaustausch, kurz RLA. Dabei wird ebenfalls die eigene Linse entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt. Das Verfahren bietet langfristige Stabilität, weil eine künstliche Linse nicht weiter altert. Es ist allerdings ein invasiverer Eingriff als Lasern und kommt vor allem für Menschen in Betracht, die sehr hohe Fehlsichtigkeitswerte haben, bei denen der Laser nicht mehr ausreicht, oder bei denen die Hornhaut zu dünn für eine Laserkorrektur ist.

Welche Option die bessere ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Ein erfahrener Augenchirurg wird in der Beratung beide Möglichkeiten besprechen und die individuellen Befunde zugrunde legen.

Der Weg zur richtigen Entscheidung

Wer ernsthaft über Augenlasern oder eine der verwandten Methoden nachdenkt, sollte sich auf einen mehrstufigen Entscheidungsprozess einlassen. Der wichtigste Schritt ist die ausführliche Voruntersuchung bei einem spezialisierten Augenarzt oder Augenchirurgen.

In dieser Untersuchung werden eine Reihe von Faktoren gemessen und bewertet wie die genaue Refraktion (also der Grad der Fehlsichtigkeit), die Hornhautdicke und -topografie, der Augeninnendruck, die Qualität des Tränenfilms, der Zustand der Linse sowie der generelle Gesundheitszustand des Auges. Erst wenn alle diese Werte vorliegen, kann eine fundierte Empfehlung ausgesprochen werden. Wichtige Fragen, die man in diesem Gespräch stellen sollte, betreffen die realistische Erwartung nach dem Eingriff: Werde ich danach wirklich brillenfrei für die Ferne, die Nähe, beides sein? Wie hoch ist das Risiko für Nachkorrekturen? Welche Methode ist für meine Augen die geeignetste? Und wie lange ist mit einer Erholungsphase zu rechnen?

Ein oft unterschätztes Thema sind die Kosten. Laseroperationen an den Augen werden von den gesetzlichen Krankenkassen in Österreich in der Regel nicht übernommen, da sie als elektive Eingriffe gelten. Je nach Methode und Klinik muss man mit Kosten zwischen 1.000 und 3.000 Euro pro Auge rechnen. Private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten teilweise.